Wann zum Arzt gehen – und warum ich drei Jahre gewartet habe

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Wann zum Arzt gehen – und wann nicht?

Ich verrate dir was: Ich bin Bewegungstherapeutin. Ich arbeite täglich mit Körpern, ich kenne Gelenke, Faszien, Nervensystem. Und ich habe drei Jahre lang ein Signal meines eigenen Körpers ignoriert. Nicht aus Unwissenheit. Sondern aus Angst. Angst vor der Frage, die viele von uns kennen: Wann sollte ich eigentlich zum Arzt gehen – und wann reicht es, meinem Körper zuzuhören?

Die Geschichte hinter meinem geschwollenen Knie

Mit 16 hatte ich eine Knochen-Knorpel-Transplantation am Knie. Kein Kleinkram. Danach war ich regelmäßig in der Kontrolle, hab alles brav checken lassen und irgendwann, so vor etwa 20 Jahren, sind die Bilder und die Termine einfach eingeschlafen.

In den letzten drei Jahren hatte ich immer wieder dieses leise Gefühl: Lena, vielleicht solltest du das mal wieder anschauen lassen. Und weißt du, was mein Fachgehirn jedes Mal geantwortet hat? Solange keine Schmerzen da sind, ist alles gut. Du weißt doch, was du tun kannst.

Stimmt ja auch. Ich weiß, wie man Gelenke mobilisiert, wie man sie – bildlich gesprochen – ernährt. Denn Gelenke werden nicht durchblutet, sondern durch Gelenkflüssigkeit versorgt. Bewegung ist das, was Nährstoffe reinbringt und Abfallstoffe wieder raus transportiert. Das ist kein Geheimwissen, aber es ist das, womit ich täglich arbeite.

Trotzdem habe ich das Körpergefühl konsequent negiert. Warum?

Zu früh oder zu spät zum Arzt?

Ich habe Angst, dass ein Name für meinen Zustand ihn erst wirklich real macht. „Arthrose-Grad irgendwas“. Vielleicht künstliches Kniegelenk irgendwann. Vielleicht eine Liste mit Dingen, die ich nicht mehr tun soll.

Und ich habe in meiner Praxis schon einige Menschen begleitet, bei denen nach einer Diagnose die Beschwerden überhaupt erst richtig losgegangen sind, weil sie plötzlich einen Namen dafür hatten. Das ist kein Zufall. Das Nervensystem verändert sich, wenn wir etwas benennen.

Das macht Diagnosen nicht falsch. Sie sind wichtig, oft lebensnotwendig. Aber sie können eben auch etwas in Gang setzen. Das weiß ich, und das macht mir Respekt.

Dann kam der Morgen, an dem ich mit einem geschwollenen Knie aufgewacht bin. Kein Sport vorher, keine besondere Belastung. Einfach so. Und aus dem leichten Ziehen wurde ein richtig volles, dickes Knie, das mir sagte: Jetzt reicht’s.

Ein roter Wecker wird mit zwei Händen in die Luft gehalten.

Körpersignale ernst nehmen lernen

Wenn ich mit meinen Klient:innen arbeite, begegnen mir grob zwei Typen: Die einen gehen sehr schnell zum Arzt oder zur Ärztin. Jedes Zwicken, jede Unsicherheit und ab geht’s in die Praxis. Das gibt Sicherheit, ja.

Aber manchmal auch das Gefühl, ohne Diagnose gar nicht handlungsfähig zu sein. Der eigene Körper wird zur Blackbox, die nur Fachleute entschlüsseln können.

Die anderen, und ich zähle mich gerade selbst dazu, warten zu lang. Reden sich raus. Haben Angst, oder keine Lust, oder beides. Und schieben so lange, bis der Körper aufhört zu flüstern und anfängt zu schreien.

Beide Extreme haben etwas gemeinsam: Das eigene Körpergefühl spielt keine tragende Rolle.

Was es bedeutet, wirklich zuzuhören

Auf den Körper hören klingt nach Wellness-Slogan. Ist es aber nicht.

Es ist das gleiche Signal wie Hunger, Durst oder der Drang, zur Toilette zu gehen. Körpersignale sind Informationen – keine Diagnosen, aber auch keine Kleinigkeiten.

Wenn mir mein Knie drei Jahre lang leise sagt Schau mal hin, dann ist das keine Hysterie. Dann ist das ein Hinweis. Und wenn jemand anderes täglich das Gefühl hat, zum Arzt zu müssen, ohne dass der Körper wirklich etwas Konkretes meldet, dann darf auch da kurz innegehalten werden. Nicht um den Besuch zu vermeiden, sondern um zu spüren: Was brauche ich hier eigentlich gerade wirklich?

Das ist genau das, worum es bei bahu geht. In einer PRI-Session zum Beispiel arbeiten wir nicht nur an Beschwerden. Wir schauen gemeinsam, wie dein Körper organisiert ist, was er kompensiert, und wo er dir schon lange etwas sagen wollte, das du vielleicht noch nicht gehört hast. Das macht etwas mit Resilienz. Und mit dem Gefühl, dir selbst gegenüber ein bisschen sicherer zu werden. Auch wenn mal ein dickes Knie auftaucht.

Was ich jetzt tue

Ich gehe zum Arzt. Mit meinem dicken Knie, meinen 20 Jahre alten Bildern und meiner Angst vor dem, was er mir vielleicht sagen wird.

Und ich nehme das als das, was es ist: eine Information. Kein Urteil. Kein Ende. Nur ein Stand der Dinge, mit dem ich dann weiterarbeiten kann. So wie ich es auch meinen Klient:innen beibringen möchte.

Wie ist es bei dir?

Zu welchem Typ gehörst du? Gehst du eher zu früh zum Arzt oder wartest du, bis der Körper keine andere Wahl mehr lässt? Ich bin neugierig auf deine Erfahrung. Schreib sie gerne in die Kommentare.

Bewegte & sonnige Grüße, 

Lena 

2 Antworten

  1. Danke für dein Bericht Lena.
    Ich schaue immer erst,was gibt der Körper mir für Signal und kann ich selber was tun oder brauche ich ein Arzt. Wenn ich dann merke es geht nicht mehr ohne Arzt (warte da nicht zu lange ), kläre ich das ab. Die Angst spielt aber nicht im Kopf, eher eine Beruhigung welche Diagnose etc mir mitgeteilt wird.

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